
Allgemeines
Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben,
dass etwa 15% der Menschen relativ unempfindlich gegenüber
dem Auftreten der Seekrankheit sind, 75% "normal"
anfällig und etwa 10% stark anfällig sind. Weiterhin
scheint die Anfälligkeit vererbbar zu sein.
Bei über 90% der gesunden Menschen verschwinden die
Symptome der Seekrankheit nach 2 bis 3 Tagen von selber.
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Beschwerden
Man kann die Kinetosen nach dem Schweregrad der Beschwerden
in 3 Grade einteilen:
Leichte Form
• Kopfschmerzen
• Müdigkeit
• Appetitlosigkeit
• Antriebsarmut
Schwerere Form
• Übelkeit, oft mit Erbrechen
• Appetitlosigkeit
• Ausgeprägte Müdigkeit
• Antriebslosigkeit
Schwere Form
• Subjektiv schweres Krankheitsgefühl
• starkes Erbrechen von Magensaft und Gallenflüssigkeit
• Ekelgefühl gegenüber jeglichen Nahrungsmitteln
• Koordinationsstörung
• völlige Antriebslosigkeit
Unter Seglern werden diese 3 Stufen etwas humorvoll wie folgt
beschrieben:
• bei der ersten Stufe hat man Angst zu sterben
• bei der zweiten Stufe ist es egal, ob man stirbt
• bei der dritten Stufe wünscht man sich nichts
sehnlicher, als endlich sterben zu dürfen
Glücklicherweise betrifft die schwere Form der Seekrankheit
nur etwa 15 bis 20% der Betroffenen.
Vorbeugende Maßnahmen
Man kann der Reisekrankheit zum einen durch die Einnahme von
Medikamenten vorbeugen, die im Kapitel zur Behandlung bereits
genannt wurden. Zum anderen kann durch entsprechendes Verhalten
der Entwicklung einer Reisekrankheit vorgebeugt werden:
• mindestens 24 Stunden vor Reisebeginn keinen Alkohol
trinken
• ausgeruht und stressfrei auf die Reise gehen
• den Magen durch maßvolles Essen und Trinken
nicht überladen
• Nicht unter Deck gehen
• Blick auf den Horizont
• Leichte Arbeit an Deck = Ablenkung
• Unter Deck, auf den Rücken liegen, Walkman an
(Klassik! )
• Medikamente:
o Gegen das Entstehen
o Gegen Erbrechen
? Achtung Nebenwirkung: Müdigkeit.
Medikamentöse Therapie
1. Cholinolytika:
Sie enthalten Atropin und/oder Skopolamin und blockieren den
Brechakt. (Präparate:Vasano®, Emesan®, Extracta
Belladonnae usw.). Dosierung von Skopolamin: 0,5 mg per os.
Nebenwirkung: Trockenheit von Mund und Nase, Tachykardie.
Kontraindikationen: Glaukom, Prostatahypertrophie, Tachykardie
2. Antihistamenika: (Ganz klar meine Empfehlung!
In der Schweiz: Duremesan
Tabl.)
Sie enthalten:
1. Diphenhydramin (Emesan®, Fortraevel®, Vomex A®,
Dramamine®). Die Wirkungsdauer beträgt 2 bis 5 Stunden.
2. Meclicin (Postafen®, Bonamine®, Peremesin®).
Die Wirkungsdauer beträgt 10 bis 20 Stunden.
Die Präparate wirken peripher atropinartig. Der zentrale
Ansatzpunkt für die antiemetische Wirkung ist noch nicht
vollständig aufgeklärt. Sie wirken mindestens ebenso
gut wie Atropin und Skopolamin und haben diese Alkaloide aus
der Behandlung der Reisekrankheit nahezu verdrängt.
Nebenwirkungen: Teilweise erhebliche Müdigkeit und Abgestumpftheit.
Trockenheit in Mund und Nase. Größere Dosen wirken
zentral erregend (motorische Unruhe).
3. Neuroleptika:
Promethacin (Atosil). Dieses Präparat steht dem Chlorpromacin
(Metaphen®) sehr nahe. Es hat einen atropinähnlichen
Effekt auf den Hirnstamm. Die Wirkungsdauer beträgt 5
bis 19 Stunden. Nebenwirkungen: Erhebliche Müdigkeit
(das Präparat wird auch als präoperatives Sedativum
eingesetzt).
Alle Präparate, die Neuroleptika mehr, die Antihistamenika
weniger, haben als Nebenwirkung eine ausgeprägte Müdigkeit
zur Folge. Sie werden deshalb häufig mit Coffein kombiniert.
Alle Präparate sind wegen dieser Nebenwirkung für
Fahrer (und damit auch für Skipper (!), Anm. v. ESYS)
nicht geeignet.
Der Beifahrer sollte die Antihistamenika wählen, da deren
antiemetischer Effekt sehr gut und ihr Ermüdungseffekt
dagegen geringer ist als der von Neuroleptika.
Kinder sind wegen ihrer Unruhe und Bewegungsvielfalt am häufigsten
den kombinierten Beschleunigungen ausgesetzt. Bei ihnen ist
die stärker sedierende Komponente der Neuroleptika erwünscht.
Für Schwangere sind nur Neuroleptika zu empfehlen.
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